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Das Recht der Natur in der neuen Verfassung Ecuadors

In der neuen Verfassung Ecuadors von 2008 wird das Recht der Natur verankert. Ecuador ist das erste Land, dass der Natur ein eigenes Recht einräumt, wobei die Natur erstmals als Rechtssubjekt deklariert wird.

In einem 2009 erschienenen Artikel in juridikum "Politische Ökologie: Natur in den Verfassungen von Bolivien und Ecuador" von Eduardo Gudynas, übersetzt und gekürzt von Almut Schilling-Vacaflor wird zum Recht der Natur/der Pachamama in der Verfassung Ecuadors ausgeführt:

"Die neue ecuadorianische Verfassung beinhaltet eine große Anzahl von Artikeln, die sich direkt oder indirekt auf Umweltthemen beziehen: Der Basisrahmen umfasst einen Abschnitt über die „Rechte der Natur“, gemeinsam mit einem anderen über die Rechte des „buen vivir“ (...), die als Teil der Beziehungen zwischen dem Entwicklungsregime und dem guten Leben
verstanden werden."

In der Verfassung Ecuadors werden die Begriffe „Natur“ und „Pachamama“ gleichermaßen 

"als Raum beschrieben wo sich „das Leben reproduziert und realisiert“ (Art 72). Dies ist eine neuartige Formulierung. Während der Begriff Pachamama in den Kosmovisionen der indigenen Völker verankert ist, entspringt jener der Natur aus der europäischen Kultur." (...)"

Und:

"Aber der hervorstechendste Punkt ist, dass zum ersten Mal die eigenständigen Rechte der Natur bzw. der Pachamama anerkannt werden. Diese „besitzt das Recht, dass die Existenz, der Erhalt und die Regenerierung ihrer Lebenszyklen, Struktur, Funktionen und Evolutionsprozesse respektiert werden“ (Art 72). Danach wird festgelegt, dass „jede Person, Gemeinschaft, Volk oder Nationalität die zuständige öffentliche Autorität dazu auffordern kann, die Rechte der Natur umzusetzen“ und dass der „Staat die natürlichen und juridischen Personen sowie die Kollektive dazu anhalten kann, die Natur zu schützen und den Respekt für alle Elemente der Ökosysteme zu fördern“ (Art 72). Diese Linie wird noch weiter vertieft, indem anerkannt wird, dass die Natur oder Pachamama das „Recht auf eine vollständige Wiederherstellung“ hat (Art 73). Es wird hinzugefügt, dass `diese Wiederherstellung unabhängig ist von der Verpflichtung der Staaten, natürliche und juridische Personen zu entschädigen, die von den geschädigten Natursystemen betroffen sind `. Der Staat muss für den Wiederherstellungsprozess Verantwortung übernehmen. Dieser Prozess der Wiederherstellung der degradierten, geschädigten oder zerstörten Ökosysteme wird als `ökologische Restaurierung` bezeichnet. Dies kann die Reduktion der Umweltschäden bedeuten oder sogar bis zur Wiedererlangung des natürlichen Ausgangszustands reichen."

In dem genannten Artikel werden die Verfassungen Ecuadors und Bolivien verglichen. Siehe dazu ausführlich:
http://www.gudynas.com/publicaciones/GudynasPolitischeEcuadorBolivie09.pdf