Unser Netzwerk

Besucher

467909

2 Ölunfälle im Einflussreich des Yasuní-Nationalpark im Mai 2012

Es haben zwei Ölunfälle im Einflussbereich des Yasuní Nationalparks und der Schutzzone für die isolierten indigenen Völker der Tagaeri und Taromenane im Mai 2012 stattgefunden!

Eine Nachricht auf der Grundlage des Berichts »Impactos de dos derrames petroleros acontecidos en la zona de incidencia de la Zona Intangible Tagaeri Taromenane (ZITT) en Mayo 2012« von Roberto Narváez, Fundación Pachamama, Ecuador; Übersetzung und Kommentierung durch Philip Gondecki und Sibylle Maurer-Wohlatz.

Während die Yasuni-ITT-Initiative die Vielfalt des Lebens in einem Teil des Yasuní Nationalparks zu schützen beabsichtigt, nimmt die Schädigung und Zerstörung des Yasuní durch die Ölförderung an anderer Stelle ihren tragischen Lauf.

Am 1. Mai 2012 sind mindestens 10 Barrel Rohöl aus einer Leckage durch ein geplatztes Ventil im Ölfeld Cononaco des ecuadorianischen Ölkonzerns Petroecuador im Yasuní Biosphärenreservat ausgetreten. Der Ölunfall ereignete sich im Sektor Cononaco Chico im Süden der Amazonasprovinz Orellana. Das ausgelaufene Rohöl hat sich über die Flüsse Quehuiparo, Shiripuno und Cononaco weiter ausgebreitet und den Yasuni Nationalpark sowie die Schutzzone für die isolierten indigenen Bevölkerungsgruppen der Tagaeri und Taromenane erreicht. Der Ölunfall betrifft mehrere lokale Anwohner und indigene Siedlungen der Shuar und Waorani und bedroht insbesondere das Leben der nicht kontaktierten indigenen Völker, die das betroffene Gebiet zwischen den Flüssen Tiputini und Curaray als Rückzugsgbiet und Lebensraum beanspruchen.  

Entlang des Weges, dass sich das ausgetretene Erdöl gebahnt hat, wurden zunächst mehrere Hektar Pflanzungen lokaler Anwohner zerstört, bevor es in das Flussökosystem eintrat und sich flussabwärts weiter verbreitete. Zunächst war der Erdölteppich nur auf drei Kilometer des verseuchten Gebietes zwischen der Ölstation von Petroecuador und den vom Unglück direkt betroffenen Fincas sichtbar, wo auch viele Tiere durch die Verschmutzung getötet wurden. Die Anwohner der Region sind extrem bestürzt, da die Flüsse, ihre Lebensgrundlage und Wasserquelle, nun mit Öl kontaminiert sind. Um zu verhindern, dass sich das Öl weiter ausbreitet, wurden bei durchgeführten Reinigungsmaßnahmen an nur einem Tag 23 Fässer mit Öl und verseuchtem Schlamm gefüllt. Die tatsächliche Menge des ausgelaufenen Rohöls bleibt jedoch unklar. Petroproducción hat dazu bislang keinen offiziellen Bericht veröffentlicht.
 
An der Brücke über den Shiripuno sprachen Roberto Narváez von der Fundación Pachamama und Eduardo Pichlingue vom Observatorio de Derechos Colectivos de CDES mit mehreren lokalen Anwohnern vom indigenen Volk der Waorani. Ein Zeuge, Octavio Cahuia aus der Waorani Siedlung Ñoneno, sah das Öl zum ersten Mal am Freitag des 11. Mai den Shiripuno Fluss herunter treiben. Viele Menschen flussabwärts hatten zuvor die toten Fische gesammelt, da sie dachten, jemand hätte flussaufwärts das natürliche Pflanzengift Barbasco benutzt, das indigene Gemeinschaften zum Fischfang verwenden.Nach dem Verzehr der Fische, darunter große Welse und andere Arten, sind viele Menschen erkrankt und klagen über Magenschmerzen und Übelkeit.

Das Öl im Shiripuno-Fluss stammt aus dem Ölunfall im Cononaco Feld, das von Petroecuador ausgebeutet wird. Laut anderen Waorani ereignete sich der Ölunfall in den frühen Morgenstunden und der Ölkonzern versuchte daraufhin, das Öl mit Chemikalien zu binden und mit Sperren abzufangen. Durch heftige Regenfälle in den nächsten Tagen hätte sich das Öl jedoch weiter ausgebreitet.

Ein Beamter des ecuadorianischen Umweltministeriums (MAE) sagte, dass in dem von Petroecuador vorgelegten Bericht von einem Ölteppich von 5 Barrel Öl die Rede ist. Diese Angabe widerspricht jedoch der Größe des Gebietes mit sichtbaren Schäden. Laut seiner Aussage habe das Ölunternehmen sehr langsam gehandelt und konnte das Öl nicht richtig eindämmen und aufnehmen, weshalb es in einigen Bereichen liegenblieb. Die Ölsperren wurden durch die starken Regenfälle unwirksam und das Öl konnte sich so weiter ausbreiten und flussabwärts treiben. Die Maßnahmen des Unternehmens seien ineffizient und nicht schnell genug gewesen.

Obwohl dem MAE dies bekannt war, hat es nicht interveniert, um aktiv das Legen der Ölsperren und die Beseitigung des Ölteppichs zu überwachen. So konnte sich der Ölteppich durch Regenfälle ausbreiten und hat zur Schädigung weiterer Gebiete geführt. Vom ausgelaufenen Öl direkt betroffen sind die indigenen Siedlungen und Gemeinschaften Kunkuk und Nunkui der Shuar und indirekt die Siedlung Ñoneno der Waorani am Shiripuno-Fluss.

Die Kontrolle des MAE hatte sich auf einen Rundgang am 1. Mai beschränkt sowie darauf, dass Mitarbeiter aus dem Justizministerium beteiligt wurden, dem Petroecuador einen Bericht vorlegen muss. Das MAE sei nicht verantwortlich für die Überwachung der Wasserqualität, sondern Petroecuador. Das Unternehmen habe Proben von Boden, Wasser und Sediment zu entnehmen, um zu analysieren und zu dokumentieren, in welchem Zustand sich das Gebiet nach dem Austreten des Öls befindet. Diese Angaben werden dann vom MAE geprüft, um zu kontrollieren, ob ausreichende Sanierungsmaßnahmen getroffen worden sind.
 
Ein zweiter Unfall im Sektor Shiripuno ergab sich am 16. Mai 2012 im marginalen Ölfeld Tiguino, das vom Unternehmen Petrobell Inc. ausgebeutet wird. Nach dem Bruch einer Leitung für den Tank eines Generators flossen 2.000 Gallonen Diesel in den Tihuino Fluss und dann flussabwärts in den Cononaco Fluss im Yasuní-Nationalpark.  

Narváez und Pichilingue konnten bei ihren Nachforschungen vor Ort das betroffene Gebiet nicht betreten, da Petrobell den Sektor durch einen Drahtzaun abgesperrt hat und Sicherheitsleute des Konzerns den Zutritt verweigerten. Die Zugangsstraße zur Waorani-Siedlung Tihuino wird durch Petrobell am Rand der Förderkonzession des Ölfelds blockiert und kontrolliert. Der Ölkonzern allein entscheidet welche Fahrzeuge und Personen Zugang zu den Waorani Gemeinschaften Tihuino und Bataboro sowie den Siedlungen lokaler Anwohner erhalten und wer nicht. Es gibt keine Behörden, die einen freien Durchgangsverkehr in dem Gebiet gewährleisten. An die Unglücksstelle ist von außen niemand mehr herangekommen und es bleibt unklar, welche Mengen Diesel tatsächlich ausgetreten sind.

Die Informationen über diesen Ölunfall sind begrenzt und beschränken sich auf Aussagen einzelner Waorani aus Tihuino und Vertreter der Waorani Organisation ONWO. Selbst das Umweltministerium hat keine offiziellen Angaben zu dem Ölunfall mit Ausnahme einer Zeugenaussage von einem Parkwächter des MAE im Yasuni Nationalpark, der nicht zitiert werden möchte.

Solche Unfälle in den Ölfördergebieten im Amazonastiefland ereignen sich leider immer wieder und werden zumeist kaum öffentlich, geschweige denn weltöffentlich bekannt. Nicht selten wird ein Deckmantel des Schweigens über solche Ölunfälle gelegt. Laut offiziellen Angaben handelt es sich dann „nur“ um kleine Zwischenfälle und Lecks, aber auch wenige Barrel Öl können schon ein fragiles Ökosystem kleinerer Flüsse nachhaltig schädigen, das Wasser verschmutzen, die Nahrungskette vergiften und die Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen zerstören.

Ausgelaufenes Öl treibt zudem flussabwärts und breitet sich schnell aus. Problematisch ist vor allem, dass es sich so großflächig verteilt, zum Teil im Fluss absenkt und schnell mit Schlamm überdeckt wird. Zum einen ist es so fast unmöglich, das ausgetretene Öl aus dem Fluss zu bergen, und zum anderen bleibt das tatsächliche Ausmaß der Folgen und langfristigen Umweltschäden unklar.

Hier eine Karte von Roberto Narváez von der ecuadorianischen Organisation Fundación Pachamama als Übersicht der Auswirkungen der zwei Ölunfälle auf das Gebiet im Sektor Shiripuno im Yasuní Biosphärenreservat sowie die Schutzzone für die isolierten indigenen Bevölkerungsgruppen der Tagaeri und Taromenane (Zona Intangible Tagaeri Taromenane – ZITT) und den Einflussbereich des angrenzenden Yasuní-Nationalparks.